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Der Nordwesten des Nordwestens Europas

2009.05.29
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Das nächste Ziel war die Küste im Nordwesten Irlands, im County Donegal, wo es viele alte Fischerorte und schroffe Klippen zu sehen gibt, darunter die Slieve League, die mit 595m Höhe zu Europas höchsten Seeklippen gezählt wird.

Mit dem Bus bin ich von Derry aus über die nordirisch-irische Grenze gefahren, die allerdings praktisch nicht existent ist, jedenfalls war nix zu sehen. In Letterkenny bin ich dann in den Bus nach Glencolumbkille umgestiegen und durch eine hügelige, ab und zu aufgeforstete, aber vor allem verregnete Landschaft bis Carrick gefahren, wo ich schon vor Ewigkeiten ein Zimmer in einer Gastwirtschaft gebucht hatte. Der Bus hielt direkt vor dieser Wirtschaft und für 20€ die Nacht habe ich dort ein schickes Zimmer mit Bad und TV inkl. bekommen. Es gab genau gegenüber einen kleinen Supermarkt und da das Hotel auch eine offene Küche hatte, gab es lecker Spaghetti Bolognese zum Abendbrot und - welch Überraschung - das Championsleague-Endspiel Manchester gegen Barcelona. In GB hätte es wohl auch im kleinsten Dorf jede Menge Action gegeben, denn Manchester-Fans sind überall auf der großen Nachbarinsel, aber hier in Carrick und wohl auch im übrigen Irland war's doch eher ruhig.

Am nächsten Tag unternahm ich die mit 30km längste Tageswanderung überhaupt, die um 10:45 mit einer 15-minütigen Busfahrt von Carrick nach Glencolumbkille begann und gegen 22:00 in Carrick endete. Wofür der Bus also eine Viertelstunde braucht, dafür habe ich 11 Stunden gebraucht:) Meine Strecke immer am Meer entlang war aber viel schöner als die Straße mitten durchs Moor, die der Bus genommen hatte.

Moor ist ein gutes Stichwort, denn der Untergrund in der Gegend war genauso toll wie der um den Stob Dearg in Schottland und meine Schuhe am Ende des Tages auch fast genauso nass. Im Gegensatz zu Schottland wird der torfige Boden in Irland gestochen und als Brennmaterial verwendet.
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Das Meer kommt immer näher...
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Nach etwa 1h Marsch durch den Ort Glencolumbkille, dann hoch auf die umliegenden Hügel und schließlich durch die von Gräben durchzogene Torfebene stand ich plötzlich an diesen Klippen, ganz allein mit ein paar Schafen.
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Blick nach rechts: Glen Head, 235m hohe Klippen.
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Blick nach links: Sturrall Head.
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Das ist ein tolles Wanderbuch für die gesamte irische Westküste und es riet mir hierherzugehen. Kann ich jedem auch nur raten, der sich mal auf der grünen Insel herumtreiben sollte!
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Einer der zahlreichen Signaltürme an der irischen Küste aus der Zeit Napoleons.
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Eines der noch zahlreicheren Schwarzkopf-Schafe.
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Blick zurück nach Glencolumbkille, benannt nach dem irischen Nationalheiligen Columba, der hier 561 geboren worden sein soll. Hier findet jedes Jahr am 9. Juni die "Turas" statt, eine Wallfahrt auf einem 13 km langen Rundweg mit 15 Stationen, darunter uralten Gräbern und Steinen mit keltischen Ornamenten.
Im Hintergrund, von Wolken eingehüllt, die zwei Hauptgipfel der Slieve League. Bis dorthin brauchte ich ja noch ein paar Stunden, da hatten die Wolken also noch mehr als genug Zeit sich zu verziehen...
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Der Murlin River fließt durch Glencolumbkille ins Meer. Links sieht man die Kirche des heiligen Columba.
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Da war sie nun, die Sonne:) Blick zurück zum Sturrall Head und Glen Head mit dem Signalturm obenauf. Von Glencolumbkille bis Malin Beg hatte ich wunderbarstes Wetter und eine kleine Straße als Wanderweg. Hinter Malin Beg gab es dann keine Straße mehr und auch keinen Weg mehr, ja noch nicht mal einen Pfad ...
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... es gab nur Morast ...
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... und nach dem Morast kamen Wolken und fieser Wind und es ging immer höher und höher, Sichtweite 5 bis 10m. Die Orientierung war ganz simpel: immer nach oben und nicht direkt in den Wind laufen, denn da sind die Klippen. Irgendwann ganz zufällig stieß ich auf einen Betonpylonen, der wohl den Gipfel der Slieve League markierte. Somit befand ich mich 595m über dem Meer, konnte dieses aber vorerst leider nur hören.
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Es war bereits 18h. Die nächste Aufgabe bestand also darin, möglichst schnell und sicher herunterzukommen. Dazu gab es zwei Möglichkeiten: den Weg, den ich gekommen war, zurückzugehen oder weiter geradeaus auf dem sogenannten "One Man's Path" die Klippen entlangzuwandern. Ich entschied mich für letztere Variante, doch dazu musste ich ersteinmal diesen Pfad finden. Nach einer halben Stunde auf dem vermeintlichen Pfad schimmerte durch den Wolkennebel ein Betonpylon, der mir bekannt vorkam - Ich war also im Kreis gelaufen, na toll. Das sind die Situationen, in denen man doch gern einen Kompass hätte. Erneuter Anlauf, und diesmal konnte ich den etwa 30 bis 50cm breiten Einmann-Pfad tatsächlich finden. Dass es zu beiden Seiten dieses Pfades steil bergab ging, wurde mir erst nach einer weiteren halben Stunde bewusst, als die Wolken sich endlich bemühten den Blick in die Nähe und Ferne freizugeben.
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Aussicht!!! Leider haben genau in diesem Moment die Akkus meiner Kamera den Geist aufgegeben und nur noch meine tolle Händikamera konnte den Triumph festhalten. Eigentlich blödsinnige Bilder, denn man kann schlecht fotografieren, wie es ist, einen halben Kilometer direkt über dem Meer zu stehen und die Atlantikwellen, die da unten gegen die Felsen klatschen, mal gerade so sehen und hören zu können.
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Blick ins Landesinnere.
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Die Bucht von Teelin.
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Bunglass Viewpoint: Erst hier, nach etwa 3 Stunden, habe ich das erste Mal wieder Menschen gesehen, denn hier kommt man direkt mit dem Auto hin.
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Ab jetzt war es jedenfalls kein Problem mehr, den richtigen Weg zu finden.
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Die Strecke nach Carrick führt durch den kleinen Fischerort Teelin.
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Am nächsten Tag ging's Richtung Süden nach Sligo (übersetzt "Platz der Muscheln"). Ganz in der Nähe dieser größten Stadt Nordwestirlands trutzt der Benbulben, ein 500m hoher Tafelberg (man sieht ihn auf dem Foto links neben dem weißen Schild), über den der irische Dichter W.B. Yeats viel Gutes schrieb, der aber leider von bösen Farmern bewacht wird, denen das Land und damit der Berg gehört und die Wanderer bis aufs Messer zu hassen scheinen, so berichten zumindest übereinstimmend zahlreiche Blogs und Foren, die mich von einer Wanderung auf das Benbulben-Plateau vorerst abhielten. In Sligo selbst habe ich nur ein Internetcafé beehrt und bin dann mit dem Zug direkt nach Dublin weitergefahren, um meinen alten Goethe-Instituts-Kollegen Frédéric zu besuchen...
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Tagged: ireland donegal slieveleague cliffs
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