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Jahresende
2006.12.28
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28. Dez. 06
Also wo fange ich denn heute an. Es ist ja einiges passiert in den letzten drei Wochen. Also vielleicht ist es am einfachsten chronologisch vorzugehen.
Am 09. und 10. Dezember sind wir von unserer Wirtschaftslehrerin zu einem zweitägigen Seminar eingeladen. Das Seminar fand aber nicht auf unserem Campus statt, sonder auf dem einem zweiten Campus unserer Universität, welcher ca. eine Stunde entfernt liegt. Also haben wir uns um halb zwölf versammelt um dahin zu fahren. Es war ein ziemlich kühler und grauer Tag. Aber als wir dann im Seminarzentrum ankamen, hat ein warm beheizter Raum auf uns gewartet! Wir haben dann den Probevorträgen der japanischen Studenten beigewohnt. Es war eben so, dass die Studenten kleine Forschungsprojekte durchgeführt haben und sie diese Projekte die Woche darauf einigen Firmen vorstellen wollten, konnten wir sozusagen als Versuchskaninchen herhalten. Es war sehr anstrengen, denn nur einige Vorträge waren auf Englisch, der Rest war auf Japanisch. Also haben wir ca. 6h den Fachbegriffen mehr oder weniger stark Aufmerksamkeit geschenkt. Es war für mich dennoch interessant!
Das ganze wurde dann mit einem leckeren Essen entlöhnt!
Die Woche darauf bin ich dann mit meiner deutschen Kollegin zu einem Secondhand-Kimonoladen gefahren und wir haben dort einige Zeit verbracht. Pia wird eben anfangs Januar an einem Fest in einem Tempel Glücksbringen verkaufen können und dazu brauchte sie eben ein Kimono und gewisse Accessoirs.
Na dann verging die Zeit wie im Flug und schon stand das Semesterende mit den ganzen Prüfungen und Vorträgen vor der Türe. Es war das erste Mal richtig etwas los bei mir, betreffend Unileben und ich hab das ganze gut überstanden. Sonst ist das Austauschprogramm aber ziemlich enttäuschend. Das Problem ist eben, dass die Uni einen super guten Ruf hat, aber die Leute kennen halt nur die Resultate der normalen Studierenden, die jahrlich publiziert werden und auch dieses Jahr hat es unsere Uni unter die ersten zehn besten geschaft! Was aber keiner weiss ist, wie das Austauschprogramm ist. Ich hätte von so einer Uni einfach mehr erwartet. Na, das ganze Jahr ist bis jetzt ja völlig anders verlaufen wie ich mir vorgestellt habe, aber auch daraus kann ich was lernen! Ich lerne, dass die Dinge meistens anders kommen wie geplant und dass man darauf vorbereitet sein muss. Auch wenn dir das jeder Klugscheisser sagt, ich glaube, es muss jeder einmal am eigenen Leib erfahren haben, damit man merkt, dass es wirklich so ist. Man vergisst eben die Aussagen und Weisheiten von anderen schnell oder stempelt sie gerne als Besserwisserei ab! Ich habe jedenfalls meine Lehre daraus gezogen und versuche mein Bestes hier! Übrigens oben auf den Bildern zu sehen sind die Bibliothek und die Mensa von innen, einfach dass ihr mal eine Vorstellung habt.
Osaka und Tokyo sind zwei ganz unterschiedliche Städte, obwohl sie auf den ersten Blick ziemlich ähnlich sind. Gross, laut und lärmig. Aber der Charakter von Osaka ist viel grober, direkter und manchmal ist es ein echt hartes Pflaster hier. Das ist mir gerade wieder heute aufgefallen, als ich mit meinen Kollegen durch Game-, Elektronik- und Animeläden zog. Mit den Leuten in Osaka kann man handeln, sie sind direkter, was man den Japanern sonst nicht so nachsagt. Wie auch immer, es geht hier viel mehr um den Handel und ums Geschäfte machen. Osaka ist ja historisch schon immer eine Handelsstadt gewesen und das hat irgendwie auch die Leute und deren Charakter geprägt. Sie scheinen aber trotzallem nicht so distanziert wie die Leute von Tokyo und das sagen selbst Japaner. Bei uns gibt es ja das Denken auch, der Städteunterschied zwischen Zürich und Bern zum Beispiel oder Berlin und Köln oder so. Na, aber auch wenn man sich hier anstrengt und eigentlich einfach ein Business auf die Beinestellen kann, genaus so schnell kann man wieder auf die Nase fallen. Ein Kollege von mir, der eigentlich ziemlich gut geschäftet hatte, ist von seinem Boss um Unmengen Geld betrogen worden und durch fiese Tricks ist es jetzt schwierig eine Strafverfolgung einzuleiten. Das einzige was ihm aus dem Ganzen noch bleibt ist der Merzedes, den er mit dem Gewinn vor einiger Zeit gekauft hatte. So kann die Realität aussehen!
Ja, und dann stand plötzlich Weihanchten vor der Tür. Auch wir hatten unseren Spass... ich bin mit Jamal und Pia am Freitag zum Weihnachtsmarkt gefahren, welcher von der Deutschen Botschaft in der Nähe des Hauptbahnhofes veranstaltet wurde. Es war der 23. Dezember und ich hätte nie und nimmer gedacht, dass sich so viele Leute für den Weihnachtsmarkt interessieren. Ich hab mich echt einen Moment lang wieder Zuhause gefühlt. Die Stände wurden vollständig von Deutschen mit japanischer Beihilfe betrieben und auch die Preise waren ziemlich saftig, wie immer so an den Märkten. Der Markt war nicht mal so klein, also ich hätte es auf jedenfall nicht gedacht, so gegen zwanzig Stände werden es schon gewesen sein. Es herrschte eine angenehme Atmosphäre!
Am Sonntag - Heiligabend, haben wir dann zu dritt Guetzli gebacken, ganz simple halt, Mehl Schokolade, Zucker, Backpulver, alles was wir halt so finden konnten! Es war aber super lustig. Und am Weihnachtstag habe ich ca. zwölf Leute eingeladen und wir haben zusammen gekocht und gegessen. Da ist ein bisschen Weihnachtsstimmung aufgekommen, denn es standen plötzlich zu viele Leute in einer zu kleinen Küche. Wie an Weihnachten manchmal! Das Geschirr mussten wir dann vorübergehend in der Dusche einstellen, weil wir echt keinen Platz mehr hatten!
Ich bin ja im Moment gar kein Frühaufsteher, irgendwie ist mein ganzer Rhythmus ziemlich komisch drauf! Ich weiss nicht voran es liegt, aber ich habe das Gefühl, dass ich unheimlich viel Schlaf brauche zur Zeit. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass es auch mit der Ernährung zusammenhängt, denn richtig gesund ernähre ich mich leider nicht! Meine Essgewohnheiten haben sich schon geändert. Früher bin ich immer aufgestanden habe etwas zum Frühstück gegessen und auf die Ernährung geachtet, aber seit ich in Japan bin esse ich am morgen meistens nicht, bin nicht so hungrig und was soll ich denn hier am morgen essen? Ich bin kein Fan von salzigen Speisen zu frühen Stunden und Weissbrot kann ich nicht ausstehen. Leider gibt es kein richtiges Brot und wenn ich es selber mache, dann ist es so lecker, dass ich das ganze Brot meistens innerhalb von wenigen Stunden wegesse! So überkommen mich aber meistens spät am Abend dann Hungerattacken und eine Zeit lang bin ich dann in MacDonalds gegangen – ja Schande über mich. Das habe ich mir aber schnell abgewöhnt, zumal es auch ziemlich ins Geld geht!
Oben auf den Bildern noch zu sehen ist die Abfallbox, oder wie soll man das nennen? Es ist ein kleines Häuschen, wo man einfach alles reinschmeissen kann, was man noch einigermassen tragen kann, Abfall in Plastiksäcken, Papier und Karton, Glas, Pet und Metallsachen, aber auch Kleider und so. Praktisch für die mich, so muss ich nicht zu den verschiedenen Sammelstellen gehen, aber der arme Kerl, der das ausräumen muss, mein Gott!
Irgendwie habe ich immer wieder den Drang das wahre Japan zu finden. Und ich denke, dass man das am besten macht, indem man einfach durch die Stadt läuft und Eindrücke festhält. So kann ich mich einerseits im Fotografieren üben und andererseits den Horizont bisschen erweitern. Ich habe mich gestern entschieden spazieren zu gehen, weil es ja nicht so das Wahre ist den ganzen Tag in der Wohnung zu sitzen. Aus dem Spaziergang ist dann ein ziemlich grosser Ausflug geworden. Ich bin die Strecke einer U-Bahnlinie, bis auf die vorletzte Haltestelle oberirdisch abgelaufen und bin dann den Weg wieder zurück spaziert. Jetzt weiss ich auf jedenfall, wie die Stadt aussieht, wenn ich wieder einmal in der U-Bahn sitzte. Ich mag es eben, wenn sich nach und nach im Kopf eine Karte zusammenstellt. Ich kam dann sichtlich erschöpft 14km und über vier Stunden später wieder an meinem Ausgangspunkt an. Aber es war herrlich!