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Halbzeit

2007.02.11
die Teufelstoilette

das Sakeschiff



















Ich hatte ja die Befürchtung, dass es mir während den Semesterferien, die ganze drei Monate dauern, langweilig werden könnte. Doch ich kann euch versichern, dass ich mehr zu tun habe, wie während dem Semester. Das ist erfreulich für mich und meinen Erfahrungsschatz, aber weniger erfreulich für mein Portemonnaie. Dennoch habe ich in den letzten Wochen immer wieder Deutsch oder Englisch unterrichten können. Nur zwei oder drei Stunden pro Woche, doch das peppt mein „Sackgeld“ bisschen auf.
Ich habe gerade mit Schrecken oder Erfreuen festgestellt, dass in einigen Tagen die Hälfte meines Austauschjahres bereits vorbei ist. Wow, das ging schnell. Ich hatte ja immer das Gefühl, dass ich unendlich viel Zeit habe. Aber irgendwie bin ich mit meinem Japanisch noch nicht zufrieden und manchmal stresst mich der Gedanke, dass ich „schon“ in einem halben Jahr wieder zurück bin.

So, jetzt aber zurück zu den Erlebnissen der letzten Zeit. Es ist wieder einmal viel passiert. Vor rund einem Monat haben mich Matthias und Pia gefragt, ob ich mit ihnen und einigen japanischen Germanistikstudenten einen Zweitagesausflug machen möchte. Herr Schauwecker, ein Deutschlehrer an der Uni, hatte eben diesen Ausflug organisiert, um die Studenten, die nach Deutschland bzw. Östereich ins Austauschjahr gehen und gleichzeitig auch sich selber von der Bühne des Lehrerdaseins zu verabschieden.
Wir haben uns nach ca. einer Stunde Zugfahrt alle in Asuka getroffen, sind losspaziert und auf den Spuren der japanischen Frühgeschichte auf interessante Steine und Tempel gestossen (das erste Bild ist die sogenannte ‚Toilette des Teufels’ - das zweite Bild das sogenannte ‚Sakeschiff’ ).
A propoz Sake. Also irgendwie geht es halt einfach leichter mit dem Japanischsprechen wenn man angetrunken ist. Und manchmal bin ich sogar mecha (Slangwort für ‚extrem’) betrunken. Ja, das liebe Wort „mecha“! Meine Japanischkonversationslehrerin meinte immer wieder, dass wir dieses grässliche Wort ja nicht brauchen sollten, aber irgendwie höre ich das hier in Osaka jeden Tag zigfach.
Aber zurück zur eigentlichen Geschichte, und jetzt kommt auch der springende Punkt, wieso ich diesen Einschub gemacht habe. Als wir dann am Abend in der Unterkunft, einem Kulturforschungszentrum der Uni, angekommen waren, haben wir zusammen gegessen und geplaudert. Dabei stellte sich heraus, dass der Deutschlehrer Herr Schauwecker der Exmann von dieser Japanischkonversationslehrerin ist. Ich habe mich dann echt gefragt, ob es nötig ist um den halben Globus zu reisen, damit ich Leute treffe, die Personen aus deinem Leben kennen. Irgendwie ist mir das ganze seltsam vorgekommen. Diese Geschichte hat mich an einen Text erinnert, den wir an der Uni mal gelesen haben. Mezurashii hito – seltene Begegnungen, handelt von einer Person, die immer wieder auf Leute trifft, welche irgendwie mit seinem Leben oder der Familie verknüpft sind. Und so bin ich mir in dem Moment vorgekommen. Aber das war noch nicht alles.
Drei Tage später bin ich mit Pia nach Kyoto gefahren, weil uns Herr Schauwecker von einem grossen Trödelmarkt erzählt hatte, den Pia unbedingt sehen wollte. Also bin ich mit gegangen und nach einigem Umschauen hatte ich meine die zweite „seltene Begegnung“. Nils, ein Japanologiestudent – und ein Jahr weiter als ich – ist mir per Zufall über den Weg gelaufen. Ich hatte gar nicht gewusst, dass er sich auch im Austausch befindet und so haben wir dann noch ziemlich lange miteinander geplaudert. Das war echt der Hammer.

Ja und nebenbei lerne ich halt noch bisschen, gehe ab und zu aus oder mit bzw. bei Freunden essen. Spass muss ja auch sein. Und den habe ich, ich will mich wirklich nicht beklagen!

So und jetzt kommt die Auflösung des Rätsels. Ich war in Okinawa mit Matthias und Pia. Für alle die Okinawa nicht kennen. Die Inselkette ist südwestlich von den Hauptinseln Japans gelegen und ein beliebtes Ferien- und Tauchziel vor allem für Japaner. Traumstrände und karibisches Wetter, zu mindest im Sommer.
Wie auch immer, wir sind dann also am Mittwoch, dem 31. Januar zum Flughafen in Kobe gefahren und von dort aus in etwas weniger als zwei Stunden nach Naha, der Hauptstadt Okinawas geflogen.
Wir haben dann unseren Mietwagen abgeholt und sind Richtung Hotel losgefahren. Ich glaube ohne Auto ist man auf dieser Insel aufgeschmissen, nur Busse, Staus und weite Strecken. Es war für mich auch das erste Mal, dass ich in Japan Auto gefahren bin. Ich hatte bisschen Stress vor dem Linksverkehr, doch es war kein Problem und ich habs von Beginn weg hinbekommen.
Nach ca. zwei Stunden sind wir dann schliesslich im Hotel angekommen und haben uns erschöpft zu Bett gelegt.
Die nächsten zwei Tage hiess es dann viel Autofahren, Strände sehen, Muscheln sammeln usw. Wir haben dann auch noch etliche berühmte Spezialitäten Okinawas verspiesen. Echt lecker und überraschend anders als die sonstige japanische Küche. Es tat einfach unheimlich gut einmal aus der Grossstadt raus und ans Meer bzw. in die Natur. Das Leben auf der Insel geht schon ganz anders ab. Man merkt, dass die Leute lockerer drauf sind und nicht so zurückhalten. Lustig ist auch, dass sie in ihrem Dialekt, den keine Sau versteht, die Japaner als Yamatonchu und nicht wie es im Hochjapanischen heisst – Nihonjin, bezeichnen. Yamato ist die frühzeitliche Bezeichnung eines Gebietes in Japan und gilt als das japanische Kernland.
Wir hatten uns bei einem Spaziergang noch mit einigen Schulkindern unterhalten, die ganz erstaunt waren, dass wir Ausländer Japanisch können.
Unsere Reise war dann leider am Samstag auch schon wieder zu Ende. Und so kamen wir am abend spät nach Hause. Jetzt kann ich zumindest sagen, dass ich wenigstens einmal in Okinawa war. Ein Strichlein mehr auf meiner Japancheckliste. Es war echt komisch für mich nach Hause zu kommen, weil ich ein ähnliches Gefühl hatte, welches ich immer habe, wenn ich nach einem Ausflug oder einer Reise nach Zürich zurückkommen. In dem Moment habe ich irgendwie realisiert, dass Osaka doch widerwillen mein Zuhause ist für dieses Jahr.

Den letzten Freitag habe ich mir bei Gott nicht herbeigesehnt. Es war nämlich der letzte Tag von meinem besten Kollegen und als hätte es der Himmel gewusst, dass ein guter Freund gehen muss, regnete es seit langer Zeit. Wir sind dann in eine Bar gleich hier um die Ecke was trinken gegangen und danach noch Karaoke singen. Um 1 Uhr in der Nacht hiess es dann entgültig Abschied nehmen, denn ich wollte mit neun anderen Kollegen Skifahren bzw. Boarden gehen.
Zwei Freunde haben das Ganze organisiert. So haben wir uns aufgemacht und sind dann nach ca. 2h Autofahrt in der Zweitwohnung des einen Kollegens angekommen haben uns ein paar Stündchen aufs Ohr gehauen und dann Richtung Skigebiet aufgemacht. Da aber auch in Japan Schneemangel herrscht, schien das ganze ins Wasser zu fallen. Als wir beim „gerende“ (Japaner brauchen das deutsche Wort „Gelände“ um einen Skiort zu bezeichnen) angekommen sind, lief genau ein Lift und es begann zu tröpfeln. Also haben wir uns umentschieden und sind ca. 30km weiter gefahren, ans Japanische Meer, haben dort einen Fischmarkt besucht und leckeren Fischeintopf gegessen. Danach wollten wir uns doch noch sportlich betätigen und sind Eislaufen gegangen. Keine 20 Minuten auf dem Eis und Nico hat sich mit einem Kreischen aufs Eis gelegt, als er versuchte ein Video mit der Digicam zu machen. Der Kamera ist zum Glück nichts passiert, nur meine Hüfte war einbisschen aufgeschürft. Aber als Fotograf und Kameramann muss man halt Opfer bringen.
Am Sonntag hat es dann doch noch geklappt mit Boarden. Wir sind an einen weiterweggelegenen Ort gefahren. Und auch das Wetter hatte es gut gemeint. Leichter Schnee aber immer wieder Aufhellungen, nicht zu kalt und anstehen mussten wir bei den Liften auch kaum, obwohl es ziemlich viele Leute hatte. Der ganze Spass war einfach unheimlich teuer, weil ich alles mieten musste. Ausser Handschuhe, die konnte man nur kaufen. Aber es hat super Spass gemacht und so konnte ich mal in Japan boarden, was ich eigentlich nie geglaubt hätte zu schaffen. Es war ziemlich cool mal nur mit Japanern etwas zu machen, ich hänge sonst zu viel mit den Austauschstudenten rum. Jetzt muss ich nur meinen Muskelkarter kurieren.
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Tagged: teufelstoilette
 
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