Constantins ReiseBlog - Dresden

by Constantin Stephan April. 23, 2020 461 views

Dank eines umfangreichen Wiederaufbauprogramms erstrahlt die im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstörte Altstadt heute in neuem bzw. altem Glanz, wenn auch an einigen Stellen lediglich Neubauten mit barocken Fassaden verblendet wurden – so zum Beispiel am Neumarkt rund um die Frauenkirche.

Man versteht sofort, warum die Stadt auch als „Elbflorenz“ bezeichnet wird. Selbst der italienische Maler Canaletto war einst so angetan von ihr, dass er sie auf einem Bild verewigte. Diese Perspektive entspricht in etwa dem Canaletto-Blick, auch wenn die Kunstakademie mit ihrer markanten Kuppel damals noch nicht existierte.

Das auffälligste Merkmal des Gebäudes der Hochschule für Bildende Künste (Kunstakademie) vom Ende des 19. Jahrhunderts ist die markante Glaskuppel, die aufgrund ihrer geriffelten Form im Volksmund auch „Zitronenpresse“ genannt wird. Das Standbild an der Seite zeigt nicht etwa ihren Architekten Lipsius, sondern seinen berühmteren Kollegen Gottfried Semper. Wie dicht die einzelnen historischen Gebäude beieinanderstehen, sieht man an der gleich dahinter aufragenden Kuppel der Frauenkirche.

Beim Wiederaufbau der Frauenkirche, von der nicht viel mehr als ein Schutthaufen übrig war, hat man, was von den alten Steinen noch verwendbar war, nach Originalplänen an den ursprünglichen Stellen wieder eingebaut. Man kann dies an der Fassade als dunkle Einsprengsel erkennen. An einer Seite hat man ein größeres Bruchstück als Mahnmal stehengelassen.

Der gekachelte Fürstenzug, der chronologisch die Herrscher des Fürstenhauses Wettin zeigt, ist mit einer Fläche von 957 Quadratmetern das größte Porzellanbild der Welt. Erstaunlich, welche aus heutiger Sicht lustigen Beinamen doch einige mittelalterliche Herrscher hatten, so zum Beispiel Friedrich der Gebissene, Sohn von Albrecht dem Unartigen. Der Sage nach soll ihn seine Mutter auf der Flucht vor ihrem augenscheinlich nicht sehr verträglichen Gemahl aus Trennungsschmerz in die Wange gebissen haben.

Die Wiederherstellung des Residenzschlosses kostete etwa 380 Millionen Euro. Es beherbergt neben den königlichen Paraderäumen einen umfangreichen Museumskomplex im Neuen Grünen Gewölbe und dem Historischen Grünen Gewölbe sowie in der Rüstkammer und dem Kupferstich- und Münzkabinett.

Die Bezeichnung „Zwinger“ stand im Mittelalter für einen Festungsteil zwischen innerer und äußerer Festungsmauer, obwohl die barocke Anlage von Anfang an als Orangerie und Garten konzipiert war und bereits zu Zeiten von August dem Starken die kurfürstlichen Kunstsammlungen beherbergte.

Die Ende des Zweiten Weltkriegs komplett zerstörte Semperoper wurde bereits zu DDR-Zeiten weitgehend originalgetreu wiederaufgebaut und in Betrieb genommen.

Nordwestlich des Stadtzentrums, in der Nähe des Bahnhofs Dresden Mitte, steht ein merkwürdiges Gebäude, das wie eine Moschee aussieht. Es handelt sich um die 1909 erbaute ehemalige Zigarettenfabrik Yenidze, die Tabak aus dem damaligen Osmanischen Reich verarbeitete und entsprechend ihrem Werbekonzept dem Fabrikgebäude ein orientalisches Aussehen verlieh. Der Schornstein wurde als Minarett getarnt. Der Architekt wurde daraufhin aus der Architektenkammer ausgeschlossen. In der Kuppel befindet sich ein Restaurant und auf der Dachterrasse ein schönes Café.

  Be the first to like this post
Join the conversation
0
Be the first one to comment on this post!
Up
Copyright @Photoblog.com