Constantins ReiseBlog - Madrid

by Constantin Stephan April. 25, 2020 306 views

Anders als beispielsweise in Paris stehen in Madrid alle wichtigen Sehenswürdigkeiten relativ nahe beieinander und sind untereinander fußläufig erreichbar. Allerdings sollte man gut Acht geben: die für Fußgänger vorgesehenen, markierten Stellen zum Überqueren von Straßeneinmündungen befinden sich manchmal ein ganzes Stück in die einmündende Straße hinein versetzt, so dass man auch an Hauptstraßen oftmals nicht einfach geradeaus gehen kann. Tut man es dennoch, wird man von rechtsabbiegenden Autofahrern grundsätzlich ignoriert, was zu gefährlichen Situationen führen kann.

Es lohnt sich, den sehr großen und schönen Parque del Retiro zu besuchen und dort einige Zeit zu verweilen. Neben einigen interessanten Gebäuden, wie dem Palacio de Cristal (Glaspalast) vom Ende des 19. Jahrhunderts, dessen Glasscheiben heute allerdings sicherheitshalber aus Plexiglas sind, ist die wohl größte Attraktion der See (Estanque), auf dem man Ruderboot fahren kann. Oder man setzt sich auf die Stufen des Monuments für den König Alfonso XII. und schaut dem Treiben auf dem See von dort aus zu.

In der Mitte der Plaza de la Cibeles steht ein Brunnen mit einer Darstellung der griechischen Fruchtbarkeitsgöttin Kybele in einem von Löwen gezogenen Wagen. Der Platz wird beherrscht vom monumentalen Palacio de Comunicaciones oder Palacio Cibeles, ehemals das Hauptpostgebäude und seinerzeit wegen des kirchenartigen Aussehens scherzhaft auch „Santa María de los Correos“ genannt. 2007 wurde er Sitz der Stadtverwaltung, steht aber zur Zeit großenteils leer, nur rechts unten befindet sich noch ein Postamt.

In der entgegengesetzten Blickrichtung schaut man am linkerhand liegenden Gebäude des Banco de España vorbei auf den Verlauf der Calle de Alcalá und die Einmündung der Gran Vía rechts neben dem Gebäude der ehemaligen spanischen Versicherung La Unión y el Fénix. Oben auf der Kuppel thronte ursprünglich tatsächlich ein kolossaler Phönix, bis das Gebäude 1972 von einer anderen Versicherungsgesellschaft namens Metropolis übernommen wurde, die ihn durch eine noch kitschigere geflügelte Victoria ersetzte.

In der Gran Vía („große Straße“) ist immer viel Betrieb. Hinter den historischen Fassaden vom Anfang des 20. Jahrhunderts befinden sich Geschäfte, Tapas-Bars, Kinos und Theater.

Die Anfang des 17. Jahrhunderts angelegte Plaza Mayor hat Stierkämpfe, Hinrichtungen und die Tribunale der Inquisition erlebt. Heute ist sie leider auch noch ein Hotspot des Trickdiebstahls. Regelmäßig trifft man dort rumänische Kinder an, die jede Unachtsamkeit von Touristen ausnutzen. Man erkennt sie aber schon von weitem und kann entsprechend Abstand halten. Die barock aussehenden Wandmalereien an der Casa de la Panadería stammen aus dem Jahr 1992.

Der Hauptplatz der Stadt ist jedoch nicht die Plaza Mayor, sondern die Puerta del Sol (benannt nach einem bereits im 16. Jahrhundert abgerissenen Stadttor). Hier ist mit dem Kilometer Null des spanischen Straßennetzes das symbolische Zentrum ganz Spaniens. Immer am Silvesterabend überträgt das spanische Fernsehen live die zwölf Glockenschläge der Normaluhr des Postgebäudes, wobei mit jedem Glockenschlag eine Weintraube gegessen werden muss. Mit dem zwölften Schlag beginnt dann das neue Jahr. Müssten wir in Deutschland eine solche Zeremonie mit den bei uns üblichen Berlinern absolvieren, hätten wir Schwierigkeiten…

Der mächtige Königspalast (Palacio Real) mit seinem riesigen vorgelagerten Ehrenhof ist etwa doppelt so groß wie der Buckingham Palace und das Schloss Versailles. Er wird (möglicherweise deswegen) nur bei Staatsempfängen tatsächlich genutzt. König Felipe VI. wohnt mit seiner Familie im viel kleineren Schlösschen La Zarzuela vor der Stadt.

An der Stelle des Palacio Real stand ursprünglich ein maurischer Alcázar. Als dieser 1734 niederbrannte, ließ Philip V. auf den Ruinen den heutigen Palast erbauen.

Auf der Plaza de España interessiert besonders das Denkmal des spanischen Nationaldichters Cervantes, der hier hinter seinen Romanfiguren Don Quijote und Sancho Panza zu sehen ist. Die Weltkugel oben auf dem Monument steht für die globale Verbreitung der spanischen Sprache. Das dahinter befindliche, 117 Meter hohe, 1948 bis 1953 errichtete Wohn- und Bürogebäude galt als Symbol der damaligen Franco-Herrschaft. Seit 2005 steht es leer.

Etwas abseits der anderen Sehenswürdigkeiten, im Nordosten an der Kreuzung der Calle de Alcalá mit der Avenida de la Paz gelegen, sollte man einmal die Stierkampfarena Las Ventas gesehen haben. Abgesehen von Stierkämpfen finden hier ab und zu auch Popkonzerte oder Theateraufführungen statt. An der Seite befindet sich ein kostenlos zugängliches kleines Museum mit Andenken an die großen Toreadores vergangener Tage.

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