Regen, Matsch und nasse Füße - Endlich richtig Schottland!

by Martinundjule May. 23, 2009 1820 views

Der Tag begann mit einem Cheeseburger als Frühstück und einer angenehmen Busfahrt durch das Coe-Tal, durch das wir ja am vorigen Tag schon gewandert waren. Am anderen Ende des Tals steht mitten in der Pampa das Kings House, ein Gasthaus aus dem 18. Jahrhundert, das eigentlich angelegt und betrieben wurde, um den Truppen des englischen Königs eine Unterkunft auf dem langen Weg durch die Highlands zu bieten. Das Hotel war zugeparkt und von Zelten umgeben, denn es war Bank Holiday, verlängertes Wochenende. Trotz des unterdurchschnittlichen Wetters betraten wir frohen Mutes das Hotel, denn wir hatten ja gebucht. Dachten wir - oder besser - hatten wir auch, aber nicht für dieses Kings House sondern für ein anderes 60 Meilen entferntes gleichnamiges Hotel. Alles ausgebucht, super, und die nächste Schlafmöglichkeit, wahrscheinlich auch ausgebucht, war das Hostel in Glencoe, in dem wir vor etwa 1h ausgecheckt hatten:( Alternativszenarien ausmalend und rauchend standen wir vor dem Hotel, als die Rezeptionistin plötzlich mit einem Schlüssel herauskam und uns für die Hälfte des eigentlichen Zimmerpreises (17 statt 30 Pfund) gleich ein ganzes Haus vermietete! Freude!! Wir haben uns schnell breitgemacht in dem riesigen Schlafzimmer und sind nach einem Nickerchen aufgebrochen zum pyramidenartigen Hauptgipfel des Buchaille Etive Mor.

Sooo ein schöner Berg, sooo ein mieses Wetter.

Welche Residents???

Zumindest ein paar hundert Meter auf den Berg rauf wollten wir schon. Und es gab ja laut Karte auch einen Wanderweg, der einen auf ca. 400 Meter hochbringen und dann auch wieder Richtung Kings House zurückführen sollte. Wie passend, also sind wir losmarschiert …

… vorbei an einem Wasserfall …

bis zu diesem Überhang, unter dem es Gott sei dank trocken war.

Von hier haben wir in eine endlose, verregnete Moorlandschaft geschaut, in deren Mitte das Kings House steht.

Irgendwann mussten wir dann unser trockenes Plätzchen verlassen. Ab hier war der Wanderweg nicht mehr wirklich erkennbar, aber es ging ja sowieso nur bergab, das ist erstmal nicht so schwer.

Doch irgendwann gab es keine Steine mehr, auf die man hätte ausweichen können, um nicht in ein Matschloch zu treten. Irgendwann gab es nur noch Morast. Der Wanderweg führte auf der Karte mitten durch einen Fluss. Das hätte uns zu denken geben müssen. Denn auch wenn der Fluss eher ein Bach war, war da immer noch viiiel Wasser drin und er war zu breit, um einfach drüberzuhüpfen. Wir haben uns entschieden, immer am Fluss lang bis zur nächsten Brücke zu wandern. Und eigentlich war da auch schon alles egal, denn unsere Schuhe waren schon jetzt komplett durch.

Nach einer halben Stunde (gefühlten drei Tagen) Gewaltmarsch durch den Morast erreichten wir fluchend die besagte Brücke. Die Schmatzgeräusche beim Gehen auf der Straße waren phänomenal. Jetzt die Quizfrage: Wie lange brauchen 100% durchnässte Wanderstiefel aus Leder, um zu trocknen??? Genau eine Stunde im Wäschetrockner des Kings House Hotel, den wir in unserer Verzweiflung (am nächsten Tag lagen nochmal 20km vor uns) heimlich missbraucht haben. Das hat gut gerumpelt:)

Lecker Sandwiches geschmiert für den nächsten Tag, der uns durch das größte Moor Schottlands führen sollte, uhhh …

  Be the first to like this post
Join the conversation
0
Be the first one to comment on this post!
Up
Copyright @Photoblog.com