Rotweinwanderweg 1

by Martinundjule May. 15, 2010 1154 views

Dieser bis auf einige Stellen gut ausgebaute, einfache Wanderweg führt ca. 35km entlang des unteren Ahrtals durch das größte zusammenhängende Rotweinanbaugebiet Deutschlands.

In Vorbereitung auf ein Vorbereitungsseminar in Bonn bin ich an einem Nachmittag die romantische zweite Hälfte des Rotweinwanderweges (RWW) von Ahrweiler nach Altenahr-Altenburg gelaufen. Von Bonn ist es gerade mal eine halbe Stunde mit der Bahn erst gen Süden den Rhein entlang und ab Remagen/Sinzig dann scharf nach Westen. Man sieht die Bahnschienen zwischen den Weinhängen und der Stadtmauer von Ahrweiler. Der ganze Wanderweg wird unten im Tal von Straße und Schiene begleitet, was allgemein für einen hohen touristischen Beliebtheitsgrad und leider an einigen Stellen auch für einen entsprechenden Lärmpegel sorgt.
Die markante Kuppe im Hintergrund lässt ahnen, woraus der größte Teil des in südwestliche Richtung sich ausbreitenden Eifelgebirges besteht: Hier kann man zahlreiche ehemalige Vulkane und zum Teil mit Wasser gefüllte Explosionskrater (Maare) entdecken und recht regelmäßig wackelt hier - für Menschen kaum wahrnehmbar - auch die Erde.

In Vorbereitung auf die Vorbereitung auf das Vorbereitungsseminar habe ich einige Krimis von Jacques Berndorf (“Eifel-…”) und ein paar Wanderführer für die Gegend verschlungen und erfahren, dass es sich bei dem Bergland zwischen Rhein, Mosel und Maas um eines (wenn nicht das größte, aber da bin ich vorsichtig) zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas handeln soll und die Mischwälder hier in Zeiten von Kiefernmonokulturen was ganz Besonderes sein sollen. Und das sieht ja auch ganz so aus…

Das erste Stück des RWW wird von einem Weinlehrpfad begleitet. Leider habe ich das Schild zum Abbinden der Weinstöcke im Frühjahr nicht durchgelesen, sonst wüsste ich jetzt, warum diese Wellenform bei den Rebstöcken so oft zu sehen ist …

… oder diese geradegezogene Variante. Wahrscheinlich macht es doch jeder so, wie's ihm gefällt.

Und was für ein Wetter! Die Tage vor der Wanderung hat es geschüttet, danach dann auch wieder:)

So viele Pflanzen zwischen den Weinstöcken waren ganz untypisch, da zumeist mit entsprechenden giftigen Mittelchen alle übrige Flora vom Wein ferngehalten wird.

Unter dem massiven Gestein, auf dem die für den Weinabau so ideale Böden liegen, hatte sich die westdeutsche Regierung für den Ernstfall mit einem riesigen Bunkersystem gewappnet. Einen kleinen Teil davon kann man besichtigen. Solche Ein-/Ausgänge wie auf dem Foto finden man an vielen Stellen, die teilweise mehrere Kilometer voneinander entfernt liegen. Wahrscheinlich gab es auch einen geräumigen Weinkeller, aus dem sich die 6000 Privilegierten bedienen hätten können, um auf die Apokalypse anzustoßen.

Hinter der “Bunten Kuh”, einem markanten Felsvorsprung, der als Tor zum romantischen Teil des Ahrtals angesehen wird, entfernt sich der RWW von Straße und Schiene und richtiges Mittelgebirgsfeeling kommt auf.

Lichtspiele.

Sichtkontakt zur Ahr, die sich aus der Eifel kommend nach 90km in den Rhein ergießt. Schon die Römer liebten das Wasser (lat. aqua > althochdt. aha > Ahr) des Flusses und leiteten es zur Trinkwasserversorgung über Aquädukte bis nach Köln.

Im Herbst wird diese Eintönigkeit hier knalligrot und gelb sein.

Kurz vor Dernau.

Die Pfarrkirche von Dernau. Viel zu idyllisch, als dass man sich die in den Fels gehauene, geheime Rüstungsfabrik samt Zwangsarbeitern vorstellen kann, die hier während des 2. Weltkriegs tatsächlich existiert hat.

Eine Regenrinne?

Geometrie und Chemie.

Das Ergebnis der Sprühaktionen sieht chlorblond aus.

So romantisch sieht es hier dann doch nicht aus, eher nüchtern-landwirtschaftlich.

Dann gucken wir eben in die andere Richtung, an die Felswand: Schiefer, typisch für die Gegend, auch auf den Dächern der Häuser, ist mitverantwortlich für den guten Wein.

Noch eine andere, herzhafte Art die Rebstöcke abzubinden.

Der Kirchturm von Mayschoss.

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