Der anatolische Osten (oder der armenisch-georgische Westen?)

by Martinundjule September. 04, 2014 1973 views

Blick von der Festung über den nördlichen Teil von Erzurum. Die höchstgelegene Großstadt der Türkei hat fast 400.000 Einwohner.

Die Altstadt um die Festung herum ist in noch schlimmerem Zustand als die von Ankara, wo wenigstens noch Leute lebten. Hier in Erzurum waren die meisten Häuser verlassen. Die Risse und Verschiebungen in den Fassaden zeugen von zahlreichen Erdbeben.

Diese prächtige Wohnhaus durften wir von innen bestaunen. Der Besitzer/Bewohner hatte uns aufgegabelt und uns die eigenartige Mischung aus Museum und Familienwohnsitz gezeigt. Die gewölbeartige Decke wurde ohne einen Nagel gefertigt. Wir hatten kurz vorher genauso eine Konstruktion in einer 1000 Jahre alten Moschee gleich um die Ecke gesehen.

Hier werden die Türme der seldschukischen Çifte Minare Medresesi (Medrese = eine Art theologisches Seminar) aufgehübscht.

Medrese von der Festung aus gesehen. Dahinter erhebt sich der Palandöken, wo sich eines der besten Skigebiete der Türkei befindet.

Zuckerwatte?

Egal, wir waren nach der Kurzbesichtigung von Erzurum wieder auf Achse mit Kars als Tagesziel. Das war die erste Etappe auf der großen 1000km-Kreisfahrt um den Van-See herum, für die wir genau 6 Tage zur Verfügung hatten.

Straßenbeleuchtung ist auf dieser Schnellstraße nicht das Problem.

Die Straße führte uns entlang dieses Flusses und immer wieder auch der Eisenbahntrasse Erzurum-Kars durch überraschend fruchtbare Landschaften, die manchmal eintönig wirkten …

… und manchmal so spannend, dass wir anhalten und staunen mussten.

Wie hier zum Beispiel.

Und ein Naturerlebnis: Riesige Schmutzgeier kreisten über dem Tal.

Mit diesen Pferdewagen wird hier überall das Stroh zusammengeholt. Modernere Fahrzeuge sind die Ausnahme.

Blick von unserem Hotelzimmer aus auf die Festung von Kars. Alle wichtigen historischen Gebäude liegen auf der Sichtachse.

Am Abend sind wir noch zur Festung hochgewandert.

So ein Lichtermeer hätte ich bei dem eher kleinen Kars nicht erwartet.

Und einen Kickertisch schon gar nicht:) In der Festung war ein Zelt aufgebaut und es gab (leider viel zu laute) Livemusik. Dort haben wir dann bei Tee, Pide und Skat den Abend genossen. Achso, und es war Reisehalbzeit! Bergfest! Wir hatten 12 Tage Reise hinter uns und weitere 12 vor uns.

Der erste Tag der 2. Reisehälfte begann mit Sonne und fast wolkenlosem Himmel (und das blieb auch so). Hier die Hotelaussicht am Morgen.

In der anderen Richtung sieht es nicht mehr so malerisch, aber mindestens genauso interessant aus. In diesen Gassen spielt Orhan Pamuks Roman “Schnee”. Und auch wenn es bei unserem Besuch Hochsommer war, lag uns der Geruch der Kohleheizungen in der Nase, den Pamuk in seinem Buch erwähnt. Ein schöner Artikel [spiegel.de] über Kars und den Roman erschien 2008 im Spiegel.

Neben der alten Steinbrücke aus dem 18. Jahrhundert findet man gut erhaltene türkische Bäder. Die teilweisen Erneuerungen geben einem das Gefühl, dass hier mal jemand versucht hat, etwas für den Tourismus auf die Beine zu stellen, damit aber kläglich gescheitert ist. Liegt es an der geografischen Abgeschiedenheit der Stadt? Oder reicht das Ensemble um die Festung einfach nicht aus, um genügend Besucher anzuziehen?

Den Tauben gefällt's hier jedenfalls.

Und uns auch.

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